Am vergangenen Sonntag war der türkische Jugend- und
Sportminister Akif Cagatay Kilic zu Gast bei Anne Will. Neben ihm war nur noch
Kanzleramtsminister Peter Altmeier geladen. Das Thema der kleinen Runde lautete
„Welcher Weg führt aus der Krise mit der Türkei?“ Am Ende hatte Kilic es nicht
nur geschafft, für seine Partei AKP und das anstehende Referendum Wahlkampf zu
betreiben, sondern auch das gutgemeinte Angebot zur Deeskalation der aktuellen
Krise ad absurdum geführt. Man ließ ihn widerspruchslos alles ausbreiten, was
er sich vorgenommen hatte. Im Gegenzug bekam er mehrfach die Gelegenheit, den
von Erdogan erhobenen absurden und widerlichen Vorwurf, Deutschland wende
Nazimethoden an zu entkräften oder sich dafür zu entschuldigen – er tat es
nicht!
Kilic wuchs in Deutschland auf, spricht hervorragend Deutsch
und bewies dies auch, aber immer dann, wenn er seinen Landsleuten etwas
Wichtiges in Bezug auf das Referendum mitzuteilen hatte wechselte er flugs ins
Türkische. Mit sichtlichem Vergnügen genoss er es, dass die Gastgeberin und
sein Gegenüber Altmeier ihn mit aller Vorsicht behandelten und ihn mit
keinerlei harten Fragen zu den Themen inhaftierte Journalisten in der Türkei, Säuberung
der Justiz und der Beamtenschaft sowie dem Allmachtsanspruch von Präsident
Erdogan unter Druck setzen wollten, um die Lage nicht noch zu verschärfen. Er
nutzte dies schamlos aus, bediente sich eines üblen Taschenspielertricks, um
sein Ziel zu erreichen, weswegen er überhaupt nach Deutschland gereist war. Es
gab keine Möglichkeit, ihn daran zu hindern, seine Wahlkampfreden abzusondern,
außer ihm harsch das Wort abzuschneiden – und ihm damit wieder einen Beleg
dafür zu liefern, wie faschistisch es doch in Deutschland zugeht. Es war ein
Fehler, ihn jemals in diese Talkshow einzuladen.
Ein wichtiger Punkt, den Altmeier erzielte, ging fast unter,
aber wer unter den türkischen Zuschauern, für die Kilic diese
Wahlkampfveranstaltung gedacht hatte, aufmerksam zugehört hat, sollte darüber
ins Grübeln kommen. Kilic beklagte mit angewidertem Gesicht eine
Titelgeschichte des SPIEGEL nach dem Putsch in der Türkei und wollte wieder
einmal darauf hinweisen, wie schlecht stets über sein Land berichtet wird.
Altmeier konterte dies mit dem Hinweis, dass auch er nicht immer über alle
SPIEGEL-Titel erfreut sei, dies sei aber der Preis für die Pressefreiheit, die
es in Deutschland eben gebe. Darauf fiel Kilic das erste Mal an diesem Abend
nichts mehr ein.
An alle türkischen Staatsbürger, die im April zur Abstimmung
aufgerufen sind, Präsident Erdogan noch mehr Macht in die Hände zu geben:
überlegt es euch gut. Auch in Deutschland hat es – wenn wir schon bei
Vergleichen sind – ein Ermächtigungsgesetz gegeben, wir haben es bitter bereut!
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